Montag, 25. September 2023

Tag 2 => „Grenzerfahrungen“ => Vancouver/Kanada – Woodland/Washington/USA

Sonntag, 24.09.23
gefahrene Kilometer: 520 km


Ich bin früh wach. Wie immer in den ersten Tagen meiner Reisen nach Kanada bzw. in die USA bin ich so gegen 03:00 morgens wach. Der Zeitunterschied lässt grüßen. Macht aber Garnichts, ich schreibe dann meist den Blog und organisiere die Strecke für den Tag im Detail, das braucht dann schon mal drei Stunden. Wenn man allein unterwegs ist, stört man ja auch keine Bettnachbarn die evtl. noch schlafen wollen.

Eigentlich wollte ich Vancouver nicht besuchen da ich heute der Grenzübergang in die USA ansteht und ich nicht abschätzen kann wieviel Zeit das in Anspruch nimmt. Zudem stehen ca. 500 km auf dem Plan. Aber nein…ich bin in meiner Lieblingsstadt in Nordamerika und fahre nicht in die City? Das geht gar nicht. Nun kommt mir wieder zu Gute so früh wach zu sein. Ab ca. 07:00 beginnt der morgendliche Berufsverkehr in die Stadt, da ist dann für ca. drei Stunden ein vorankommen nur langsam möglich (übrigens nachmittags gegen 16:00 Uhr das gleiche dann noch mal in die andere Richtung). Ich sitze um 06:00 Uhr auf dem Motorrad bei lauschigen 8 Grad Celsius (immerhin regnet es nicht) und fahre in Richtung Stanley Park. Nach nur ca. 25 Minuten bin ich da und komme genau richtig zum Sonnenaufgang. Einige Hobby Fotografen sind schon vor Ort und bauen ihre Stative auf. An der Waterfront sind einige Hochhäuser mit Glasfassaden, in den Fenstern spiegelt sich die Sonne. Ich war nun jetzt schon das vierte Mal in den letzten Jahren an dieser Stelle, es ist aber immer schön. Nun nimmt auch die Menge der Fahrradfahrer, Jogger und Inline Skater zu. Ich fahre zu einem „Tim Hortons“ und frühstücke (ein Besuch Kanadas ohne einen Stopp bei „Tim Hortons“ ist machbar, aber sinnlos 😊)

Gegen 08:30 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Grenze von Kanada in die USA, stoppe aber unterwegs noch an einem „Walmart“ und versuche dort die neue 12 Volt Steckdose für mein Motorrad zu bekommen. Fehlanzeige, ich kaufe eine Powerbank fürs Handy, so ist sichergestellt das ich auch den ganzen Tag mein Handy für die Navigation mit Google Maps verwenden kann auch wenn das mit der neuen Steckdose nichts mehr wird. Der nächste Stopp dann an DEM Baumarkt in Kanada, einem „Canadian Tire“. Auch hier bekomme ich nicht das was ich suche, aber immerhin ein paar ähnliche Dinge (12 Volt Steckdose mit Krokodilklemmen) die mit Hilfe einer Bastelstunde und dann zumindest zum Erfolg führen könnten.

Nun also zur Grenze. Ich stoppe an der Kanadischen und habe ein mulmiges Gefühl. Beim Grenzübertritt im letzten Sommer von Alaska nach Kanada hat mir eine junge, (über-) eifrige Grenzbeamtin zu verstehen gegeben, dass ein Fahrzeug was kein kanadisches Kennzeichen hat („Lady blue“ hat ein US-Kennzeichen) nur ein paar Monate offiziell in Kanada bleiben darf und es dann raus muss. Ich habe damals ein offizielles Dokument mitbekommen welches einen erlaubten Zeitraum beinhaltete (den ich ca. 9 Monate überzogen habe) und welches ich „dringend“ (O-Ton Grenzerin im letzten Sommer) dann beim erneuten Grenzübergang vorzeigen müsse damit das Fahrzeug „offiziell“ aus Kanada ausgeführt werden kann. Ich mache es kurz: keine der Grenzer hier unten im Süden Kanadas kannte diese Art von Dokument und man sagte mir das ich nichts tun müsse. Auch meine Nachfrage ob ich wirklich nicht im Knast lande, wenn ich mal wieder nach Kanada einreise, auch ohne dieses Dokument „zu löschen“ wurde verneint. Da mache ich mir Monate lang Gedanken was passieren könnte (Strafe, Einreiseverweigerung, etc) und nun das…..

Ich stelle mich mit dem Motorrad in die Schlange in Richtung USA Grenzübergang (bis jetzt war ich ja nur bei den kanadischen Zollbeamten) und erreiche nach kurzem Warten die „Schranke“ und den Grenzbeamten der USA. …..und nun kommt es: dem Grenzer fallen mehre Türkei Stempel in meinem Pass auf und das macht ihn misstrauisch, ich muss zur Nachkontrolle in das Hauptgebäude…und da erwischt es mich dann voll. Ca. 50 Personen in einer Schlage, stehen fünf Grenzern an Schreibtischen gegenüber. Die Grenzer haben anscheint sehr viel Zeit. Nach ca. 1,5 Stunden bin ich dran und ich muss mich komplett erklären. Warum ich den des Öfteren in der Türkei war und ob ich da auch bestimmt nicht noch im Iran oder Irak war. Ich habe dem Grenzer dann erklärt das die Türkei ein Urlaubsziel für deutsche Familien ist vergleichbar, wenn er mit seiner Familie nach Cancun in Mexiko reisen würde. Das hat dann als Erklärung gereicht. Noch jede Menge Fragen (was arbeite ich, wo arbeite ich, bleibe ich irgendwo länger in den USA, von wo geht mein Rückflug, etc), dann noch sämtliche Papiere vom Motorrad vorzeigen. Registrierung, Fahrzeugbrief (Title), etc. Zum Schluss noch der Ratschlag das, wenn ich ein Motorrad in den USA abstelle es ein US-Kennzeichen haben sollte und wenn ich ein Motorrad in Kanada abstelle es ein kanadisches Kennzeichen haben sollte…so würde ich „zukünftigen“ Stress vermeiden…was immer das bedeutet…aber es scheint komplexer zu werden mit den zollrechtlichen Themen. Nach zwei Stunden bin ich raus. Mittlerweile ist die Schlange dreimal so lang. Die letzten werden wohl so ca. 5 Stunden warten müssen…jetzt weiß ich wie man sich in der Notaufnahme fühlt….. mit dem Unterschied das man hier die ganze Zeit steht.

Mittlerweile ist es schon Mittag (gut das ich so früh los bin), es ist leicht bewölkt bei angenehmen ca. 22Grad. Jetzt aber weiter, es sind noch ca. 160 km bis Seattle und danach stehen noch weitere 300 km auf dem Tagesplan. Nach ca. zwei Stunden erreiche ich Seattle. Pünktlich mit der Ankunft schlägt das Wetter um. Es regnet. Es sind zwar immer noch ca. 20 Grad aber die Stadt macht ihrem Spitznamen „Rain City“ mal wieder alle Ehre. Ich war letztes Jahr bei meiner Reise nach Alaska schon für ca. 1,5 Tage in Seattle habe mich aber für einen erneuten kurzen Stopp entschieden da die Autobahn (Interstate I-5) mehr oder weniger genau an Seattle vorbeiführt und ich es für eine kleine Abwechslung auf der doch recht langen Tagesetappe halte. Ein kurzer Stopp an der Waterfront (es wird immer noch gebaut wie im letzten Jahr) ein paar Mitbringsel gekauft und danach noch zum Kerry Park, der Stelle in Seattle wo man den besten Ausblick auf den „Space Needle“ dem Wahrzeichen von Seattle hat. Der Regen wird stärker, nach ca. einer Stunde fahre ich weiter in Richtung Süden. Auch heute habe ich wieder die Erkenntnis gewonnen das ich Vancouver schöner finde. Beide Städte werden ja gern miteinander verglichen da sie in ähnlichen Regionen am Meer liegen. Die letzten 300 km für den heutigen Tag fahre ich im Regen auf der Interstate I-5. Es ist anstrengend, die Sicht ist schlecht bei ca. 17 Grad Außentemperatur. 100 km vor dem Ziel noch ein Stopp im „Taco Bell“, ein paar Tacos gegessen (kein Vergleich mit Original mexikanischen Tacos in Mexiko. Jeder Mexikaner muss doch das Würgen bekommen wen er zu „Taco Bell“ geht). Nicht falsch verstehen..... Das „Zeug“ kann man durchaus essen, hat aber nichts mit dem Original zu tun. Nach dem Essen buche ich spontan ein Hotel per Handy App. Normalerweise habe ich immer alle Hotels im Voraus gebucht, aber heute wollte ich zelten. Bei dem Wetter fällt das aber definitiv aus. Mit der Dämmerung erreiche ich gegen 19:00 Uhr „Woodland“ in Washington. Nichts Besonderes, es ist „nur“ ein verkehrsgünstiger Ort direkt an der Autobahn I-5 der meinem morgigen Ziel (morgen dazu mehr) recht nahe liegt.

Heute muss ich nichts mehr groß an Motorradzubehör, Kleidung, etc umräumen, aber ich bin „ziemlich“ nass, Trotz Regenkleidung und Gorotex kommt nach mehrstündiger Fahrt immer was durch. Ich stelle die Klimaanlage auf „volle Pulle Heizung“ und drapiere meine Kleidung auf der Klimaanlage. Puhhh..ich muss die Tür öffnen so warm wird es in der Bude. Gegessen hatte ich ja schon (Tacos, siehe oben) so das ich gegen 21:00 Uhr ins Bett falle…..Klimaanlage aus, Tür zu, Gute Nacht

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